Stetig wachsende Schülerzahlen und der Anspruch, die Lübecker Waldorfschule barrierefrei zu gestalten, stellten die Lübecker Waldorfschule vor große Herausforderungen. Denn die erforderlichen Bauanstrengungen konnten nicht aus eigenen Mitteln bewerkstelligt werden. Auch fehlte es an Landes- und Kommunalmitteln. Allen voran ermöglichten die Lübecker Possehlstiftung und die Aktion Mensch sowie Darlehensumschichtungen schließlich, die Arbeiten für Rampen und Fahrstühle in den verschiedenen Schultrakten und Aufstockung des Werkstattgebäudes im Sommer 2014 zu beginnen.

Vorgeschichte
Bereits 2006 wurde im Baukreis die Aufstockung der Werkstatt im Zusammenhang mit einem Hortbau diskutiert. Die bereits damals knappen Kassen ließen jedoch nur zu, dass der Hort 2009 realisiert wurde. Eine Erweiterung der Werkstatt musste auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Ebenso war das Ziel einer barrierefreien Schule in weitere Ferne gerückt.

Da sich in den letzten Jahren der Raummangel noch stärker bemerkbar gemacht hatte, beschloss die Schule 2013, neben der Aktivierung von Eigenmitteln zusätzlich Geldmittel einzuwerben. Sebastian Büttner wurde schließlich damit beauftragt, Fördermittel und Stiftungsgelder einzuwerben. Dieses Ziel gelang ihm innerhalb weniger Monate, sodass der Umbau bereits in den Sommerferien 2014 beginnen konnte.

Sommer 2014
In den Sommerferien wurden die ersten Maßnahmen in der Schule durchgeführt. Die vorgesehenen Fahrstuhlschächte wurden weitestgehend in der schulfreien Zeit erstellt. Verschiedentlich waren damit räumliche Veränderungen im Baukörper verbunden: Angrenzende Räume und Flure mussten verkleinert oder verlegt werden. Jens Reuter, einer der ausführenden Architekten: „Während am Werkstattgebäude Dinge nicht vorhanden waren, die laut Plan dort sein sollten, war es dort, wo die Fahrstuhlschächte hin sollten, genau umgekehrt. Wir fanden Rohre und Leitungen an Stellen, wo sie laut Plan nicht hätten sein dürfen.“

Auch die Aufstockung des Werkstattgebäudes stellte Architekten und Statiker vor neue Herausforderungen. Zwar gab es im Bauarchiv Pläne für den Werkstattbau. Doch diese entsprachen nicht überall der tatsächlichen Ausführung. So stellte sich bei der Freilegung der Gründung heraus, dass diese für die Aufstockung des Werkstattgebäudes verstärkt werden musste. Diese unplanmäßigen Arbeiten führten dazu, dass sich die eigentlichen Baumaßnahmen verzögerten.

In den Erdgeschoss-Räumen der Werkstatt werden nun zusätzliche Stützen eingebaut und die Geschosshöhe etwas verringert. Die obere Etage des Werkstattgebäudes wird über eine Außentreppe und einen innenliegenden Fahrstuhl erschlossen. Zudem erhält das Gebäude einen eigenen Sanitärtrakt, der als Raum im Raum im Eingangsbereich untergebracht wird.

"Die gesamte Inneneinrichtung wird den ganzen finanziellen Umständen entsprechend einfach und robust sein. Vieles wird mit farbigen sichtbaren Grobspanplatten gestaltet sein," sagt Architekt Georg Feyerabend. Denn so hoch der Bauetat für den Laien auch wirken mag, so knapp kalkuliert ist die Erweiterung dennoch. Von Luxus ist hier wie auch im Hauptgebäude keine Spur. Nicht einmal für ein neues Lehrerzimmer hat es gereicht. Die Dreiviertelmillion Euro Baukosten deckt nur die absolut notwendigen Erweiterungen für mehr Schüler und Schülerinnen sowie Umbauten im Sinne von Barrierefreiheit ab.

Nachdem im Spätsommer die Werkplanung der Zimmerei gezeichnet worden war, wurden hieraus alle Anschlusspunkte bemessen und prüffähig aufbereitet. Das Holz für die obere Werkstattetage wurde bestellt und die Holzrahmenbauelemente in Schlutup vorgefertigt.
Nachdem die Maurer unter dem Bestandsdach den Ringbalken - das ist das Auflager für die neue Vollholzdecke und das Obergeschoss - fertiggestellt hatten, wird Anfang November 2014 das alte Dach abgebrochen. Die neue Decke sowie vorgefertigten Wände und das neue Dach werden dann mit einem Schwerlastkran aufgestellt.

Der Innenausbau und die Fassadenarbeiten können danach beginnen und werden uns noch bis ins Frühjahr 2015 begleiten.
Klaus Lott, inzwischen pensionierter Werklehrer, der 23 Jahre im ursprünglichen Werkgebäude mit seinen Schülern arbeitete, nimmt immer noch Anteil am Baufortschritt: „Planungs-, Produktions- und Glaubenskräfte in Einklang zu bringen, bleibt wohl nach wie vor eine Herausforderung für Groß und Klein. Es wird hoffentlich gelingen, den geplanten Terminen im weiteren Verlauf der Arbeiten wieder näher zu kommen, damit geregelter Unterricht bald wieder sein kann."